Das ABC-Modell von Albert Ellis

Erklärung des ABC-Modells

Der Gedanke geht der Tat voraus
wie der Blitz dem Donner.

Heinrich Heine

Es gibt „typische“ Situationen, in denen wir sehr emotional reagieren: entweder wütend, oder frustriert, oder ängstlich oder niedergeschlagen. Und uns dann entsprechend verhalten: Einen Riesenstreit beginnen, oder uns zurückziehen und schmollen oder gar nichts mehr machen.
Und wenn wir dann über unsere Reaktion nachdenken, ist es uns im Nachhinein nochmals unangenehm oder peinlich oder wir ärgern uns über uns selbst. Damit haben wir dann sogar zwei emotionale Probleme für den Preis von einem und haben zusätzlich noch das, was wir eigentlich tun oder erreichen wollten, nicht erreicht.

Der amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Albert Ellis (1913 – 2007) hat bereits in den 1950er Jahren mit dem ABC-Modell eine Methode entwickelt, mit der wir das Zusammenspiel zwischen unserem Denken, Fühlen und Verhalten analysieren und beschreiben können.

Wenn wir diese Zusammenhänge bewusst betrachten, können wir Ansatzpunkte finden und Möglichkeiten entwickeln, wie wir uns in Zukunft in ähnlichen Situationen fühlen und verhalten möchten. Damit wir mehr von dem erreichen, was wir wirklich möchten.

Beispiel ABC

A(ktivierendes Ereignis)

Ich stehe an der S-Bahn-Haltestelle und über die Anzeige wird bekanntgegeben, dass die Bahn 15 Minuten Verspätung haben wird

B(ewertungen)

So ein Mist! Ausgerechnet heute, wenn ich pünktlich sein will!
Die erste Stunde im neuen Yoga-Kurs und dann komme ich gleich zu spät und störe alle anderen!
Blöde Bahn!!
Das passiert auch immer nur mir!
Das ärgert mich jetzt so sehr – da gehe ich lieber gleich wieder nach Hause!

C(onsequenzen)

Gefühl großer Ärger

Körperreaktion Anspannung im Bauch

Verhalten Gehe verärgert nach Hause und verkrieche mich in mein Zimmer

In unserem Alltagsdenken meinen wir, dass uns die Situation, d.h. das A auf die „Palme“bringt und unsere Reaktion am Punkt C auslöst. Aber mit diesem A-C – Kurzschluß übersehen wir, dass wir ständig denkende Wesen sind und dass zwischen A und C unsere B‘s , d.h. unsere Bewertungen und Interpretationen stattfinden.

Es ist hauptsächlich unser „inneres Selbstgespräch“, d.h. unsere Gedanken, die unsere Gefühle und unser Verhalten bestimmen.

Da viele A‘s von uns nicht beeinflussbar sind und deshalb von uns als unabänderlich an-/hingenommen werden müssen (z.B. Krankheit, Unfall), fokussiert die ABC-Theorie auf unser Denken am Punkt B – das haben wir „unter Kontrolle“: unser Denken und unsere Bewertungen können wir in Frage stellen und ändern und damit unmittelbar auf unsere Gefühle, Stressreaktionen und Verhaltensweisen (=C) Einfluss nehmen.

Mittels Disputation, d.h. in Frage stellen unserer bisherigen „automatischen“ Gedanken und Bewertungen können wir zu neuen Einstellungen und zu neuen Erfahrungenund damit zu einem neuen Effekt in unserem Erleben kommen.

In den Beratungs-/Therapiestunden lernen Sie dieses Modell auf Ihre persönlich bedeutsamen Situationen anzuwenden. Sie lernen mit vielen unterschiedlichen Fragen Ihre bisherigen Glaubenssätze und Muster zu hinterfragen und durch neue Erkenntnisse zu ersetzen.

Mittels Handouts und Übungen für zu Hause können Sie das Modell in vielen unterschiedlichen Situationen überprüfen und anwenden.